Messen von Stölzel

Beeindruckende Werke aus dem barocken Gotha

Gottfried Heinrich Stölzel hat es in der Rezeption nie leicht gehabt, da er von seinen unmittelbaren Zeitgenossen Bach, Händel und Telemann förmlich erdrückt worden ist. Dass der langjährige Gothaer Kapellmeister dennoch viel zu bieten hat, zeigt das neue Album von Cantus Thuringia und Capella Thuringia, das erstmals systematisch einen Einblick in das Messschaffen von Stölzel ermöglicht. Fünf (von etwa 25 erhaltenen) Kyrie-Gloria-Messen wurden hier eingespielt, jeweils ganz unterschiedlich aufgebaute und besetzte Werke. Stölzel stellt sich mit kurzen, eingängigen Formen vor, schafft einen bunten Wechsel von Tutti- und Sologesang, setzt sehr effektvoll Soloinstrumente ein und beherrscht auch die Kontrapunktik. Cantus Thuringia singt mit acht Sängern, die jeweils auch solistische Aufgaben übernehmen und sich stimmlich sehr gut ergänzen. Das Orchester – Cantus Thuringia – ist trotz der stets wechselnden Besetzung gut ausbalanciert und setzt wirkungsvolle Akzente. Die Produktion, wissenschaftlich betreut von Bert Siegmund und musikalisch geleitet von Bernhard Klapprott, öffnet damit die Tür zu einem bislang kaum bekannten Aspekt der mitteldeutschen Barockmusik.