
Einfache Strukturen mochte er nicht: Der Salzburger Hofgeiger und Kapellmeister Heinrich Ignaz Franz Biber suchte in seiner Instrumentalmusik immer nach neuen Herausforderungen. Seine Violinsonaten sind gespickt mit technischen Tücken wie Skordatur, Doppelgriffen, hohes Lagenspiel und irrwitzige Virtuosität. Beim Hören wirken diese kontrastreichen und differenzierten Stücke wie hochartifizielle Improvisationen, obgleich Biber sämtliche Noten für die Solo-Violine akribisch genau ausnotiert hat.
Die aus Island stammende Barockgeigerin Elfa Rún Kristinsdóttir zählt seit Jahren zu den Besten ihres Faches. 2006 errang sie beim Leipziger Bach-Wettbewerb den ersten Preis, seitdem ist sie vielfach als Solistin, Kammermusikerin und Konzertmeisterin unterwegs. Ihr neuestes CD-Projekt hat sie der Violinkunst von Heinrich Ignaz Franz Biber und seinen Zeitgenossen gewidmet. Drei Solosonaten des Salzburger Chefgeigers wurden hier eingespielt, hinzu kommen Sonaten von Johann Heinrich Schmelzer, Johann Erasmus Kindermann und Philipp Friedrich Böddecker.
Das Spiel von Elfa Rún Kristinsdóttir auf ihrer Barockgeige ist atemberaubend. Technisch scheint sie überhaupt keine Probleme zu kennen. Die Intonation der heiklen Läufe und ellenlangen Doppelgriff-Folgen ist makellos, gleichzeitig gestaltet sie die vielen Sequenzen und Variationen überaus abwechslungsreich und spannungsvoll. Trotz des enormen Anspruchs atmen die Sonaten in dieser Interpretation auch immer eine große Leichtigkeit. Begünstigt wird dieser klangliche Gesamteindruck durch das Spiel der beiden Continuomusiker Sabine Erdmann (Truhenorgel) und Magnus Andersson (Theorbe). Auch ohne Streichbass besitzt die Bassstimme eine klare Kontur und wird durch manche improvisatorisch ergänzte Zusatzmelodie sehr schön aufgewertet. Schließlich ist auch aufnahmetechnisch ein Glanzstück entstanden: Man fühlt sich mitten im Klang dieser drei Musiker.
Meine Musik
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