Monteverdi - Marienvesper

Grandiose Neuaufnahme mit neu entdeckter Authentizität

Die Marienvesper von Claudio Monteverdi aus dem Jahre 1610 zählt heute zu den beliebtesten kirchenmusikalischen Werken und liegt in unzähligen Aufnahmen vor. Braucht es da noch eine neue? Ja! Denn Lambert Colson macht mit seinem Ensemble InAlto vieles anders und begründet das stichhaltig: Sein ganzes Bestreben liegt darin, dieses populäre Werk vom Ballast seiner Aufführungspraxis der letzten 50 Jahre zu befreien und auf den eigentlichen Kern von 1610 zurückzuführen. Dafür hat Colson gemeinsam mit Musikwissenschaftlern und Liturgikern intensive Studien betrieben und wendet diese Erkenntnisse im Sinne einer hohen Authentizität konsequent an. Das beginnt mit dem Aufnahmeort, der Basilika Santa Barbara in Mantua, deren historische Orgel (die schon Monteverdi gehört hat) hier eine Hauptrolle spielt. Dann wurden Stimmtonhöhe und Temporelationen den historischen Gegebenheiten angepasst und exakt die Instrumente gewählt, die Monteverdi zur Verfügung hatte. Schließlich ergänzt InAlto zu den üblichen, im Druck von 1610 enthaltenen Stücken noch gregorianische Antiphonen (aus einer Mantuaner Handschrift), Orgelstücke, Gebete und eine abschließende Motette. Gewiss sind etwa die gemäßigten Tempi manchmal gewöhnungsbedürftig (etwa in einzelnen Magnificat-Versen), aber im Sinne von Colsons Authentizitäts-Ansatz absolut sinnvoll. Und über allem steht eine absolut überzeugende vokale und instrumentale Darbietung mit hervorragenden Solisten, voller historischer Kenntnis, mit großer Ensemble-Homogenität und enormer Spielfreude. Einen Dirigenten gibt es übrigens auch nicht, Lambert Colson leitet die Aufführung vom Zink her.